Umfrage: “50Plus KERNig” aus der Sicht von Teilnehmern!
Veröffentlicht: 21. August 2011 Einsortiert unter: 50PlusKERNig Kiel, Jobcenter Kiel | Tags: 50+ Kiel, 50+KERNig, 50+KERNig Kiel, 50Plus, 50Plus KERNig, 50Plus KERNig Kiel, 50Plus Kiel, Jobcenter Kiel 6 Kommentare »
In ihrer Ausgabe vom 5.8.2011 auf Seite 19 berichteten die Kieler Nachrichten über das mit 5 Millionen Euro durch die Bundesagentur für Arbeit geförderte Projekt 50Plus KERNig der Jobcenter Kiel, Rendsburg-Eckernförde und Neumünster unter der Überschrift „Gemeinsam aus der Arbeitslosigkeit – „50Plus KERNig“ meldet erste Erfolge”. Der Beitrag beruht offenkundig fast ausschließlich auf Informationen und Interviews mit Mitarbeitern des „Projekts“. In der Folge fällt die Bewertung des „Projektes“ dann auch ausgesprochen positiv aus, während „Projektkoordinatorin“ Nicole Homeister ausgiebig Gelegenheit erhält, ihre Erfahrungen mit Arbeitslosen zum Besten zu geben. So wird Frau Homeister etwa mit folgenden Worten zitiert: „Manche Arbeitslose muss man regelrecht zur Arbeit tragen“, die „in ihrem gesamten Dasein fast eingeschlafen zu sein scheinen“.
Weil Teilnehmer des „Projekts“ nicht zu Worte kommen, bleibt das alles unwidersprochen. Uns interessiert deshalb, wie das „Projekt“ von Teilnehmern beurteilt wird. In einigen Foren – etwa dem Elo-Forum oder hartz.info – finden sich erste Erfahrungsberichte, welche die Vermutung nahe legen, auch bei diesem Projekt handele es sich einmal mehr um alten Wein in – freilich sehr teueren – neuen Schläuchen. Auch erste Erfahrungsschilderungen von Mandanten deuten in diese Richtung.
Projektteilnehmer werden daher gebeten, ihre Erfahrungen mit „50Plus KERNig“ zu schildern. Email bitte an helgehildebrandt@hotmail.com zum Betreff “50Plus KERNig” oder als Kommentar direkt in den Blog. Es wird um sachliche Formulierungen gebeten. Kürzungen sowie die Unkenntlichmachung diskriminierender Formulierungen bleiben vorbehalten. Die Veröffentlichung erfolgt anonymisiert.
Rechtsanwalt Helge Hildebrandt, Holtenauer Straße 154, 24105 Kiel, Tel. 0431 / 88 88 58 7
1. Erfahrungsbericht (Email vom 21.08.2011, 17.00 Uhr)
2. Erfahrungsbericht (Email vom 22.08.2011, 11.07 Uhr)
„Den Erfahrungsbericht kann ich nur bestätigen. Die Räumlichkeiten wurden von Jobstart übernommen und auch die Arbeitsweise hat sich nicht geändert. Allerdings befindet sich in Ihrer Einleitung zum Erfahrungsbericht eine Ungenauigkeit. Wer den KN-Artikel nicht kennt, geht davon aus, dass Frau Nicole Homeister für 50Plus KERNig arbeitet. Sie ist aber Mitarbeiterin der FAW.“
3. Erfahrungsbericht (Email vom 11.09.2011, 14.43 Uhr)
“Nun habe ich meine zweite Einladung hinter mir, die ich jedes Mal in einem separaten Raum wahrnahm. Es ist ein Fensterloser Raum ohne PC in dem auch ein SB nicht richtig arbeiten kann, außer er druckt die relevanten Sachen vorher aus. Somit war im voraus nicht bedacht worden das es „Kunden“ gibt die ihre Daten nicht im Großraumbüro offenbaren wollen da jeder mithören kann.
Zunächst war ich überrascht das man mir zuhörte und meine gesundheitlichen Einschränkungen zur Kenntnis nahm. In der Einleitungsrede des SB hieß es ja auch es sollen nur passende Stellenangebote angeboten werden. Es solle alles locker zugehen und Zwang werde es nicht geben. Einen leichten Druck spürte ich jedoch als man mir verschiedene Maßnahmen erläuterte, die ich jedoch ablehnte. Stellenangebote, die dann ausgedruckt wurden, sind entweder über oder unter Niveau, und dann gibt es noch Jobs bei denen das Haltbarkeitsdatum schon abgelaufen ist. Die Frage war, wer dafür verantwortlich ist, von Seiten des JC`s wurde geantwortet die Arbeitgeber. Empfohlen wurden mir auch Minijobs, damit ich mich, mit meinen Einschränkungen, wieder eingliedern, eventuell auch hoch arbeiten kann. Ich dachte das Ziel wäre es einen sozialversicherungspflichtigen Job anzunehmen um nicht mehr hilfebedürftig zu sein. Auf meine Frage wer die potentiellen Arbeitgeber seien mit dem das JC in Verbindung steht wurde unterbrochen, da SB den Raum verließ.
Alles in allem geht es im kernigen 50+ schon etwas lockerer zu, doch mein Bauchgefühl sagt mir das es nicht so bleiben wird. Je weniger Aussicht auf einen Job besteht, desto mehr wird sich auch dort der Druck erhöhen. Das Jobcenter 50+ Kernig macht momentan nichts anderes als das reguläre Jobcenter, nur wurde die Betreuung intensiviert. Eine Einladung alle 4-6 Wochen um die Bewerbungsbemühungen zu zeigen, außerdem um unpassende Stellenangebote aus der Jobbörse zu bekommen. Der § 16 ist auch nichts Neues, der wurde schon im alten JC erwähnt. Wo bleibt die Zusammenarbeit mit den potentiellen Arbeitgebern?”
4. Erfahrungsbericht (Email vom 21.09.2011, 08.44 Uhr)
“Ich bin in dem 50+ Projekt. Mein Wissen habe ich aus eigenen Erkenntnissen in leider jahrelanger Erfahrung mit der Arge gesammelt und die Erfahrungen waren meistens nicht positiv. Sie sollten sich auch nicht nur auf das Programm 50+ beziehen, sondern auf das gesamte System Hartz IV – das würde ich für effektiver halten – weil:
50 plus kernig – unterscheidet sich nicht gravierend von anderen Programmen der Arge. Es ist, wie ich schon schrieb, mal wieder mit einem anderen Namen schön ummantelt und gaukelt den nichtsahnenden Bürgern etwas vor, was in der Praxis nicht realisierbar ist.”
Weitere Erfahrungsberichte mit 50Plus KERNig in den “Kommentaren”!
Weitere Artikel zum Thema auf dieser Seite:
50plus KERNig: 800 neue Jobs oder nur 800 neue Arbeitsverträge für die Statistik?
Förderrichtlinie für Teilnehmer am Projekt 50plus KERNig!
Der ganze Schmus ist unglaubwürdig. 50+ Leute sind doch eh abgeschrieben
und wenn sie vermittelt werden sollen, dann zu mickrigen Löhnen.
Und wenn ich dann höre, dass ältere Arbeitslose, die 2 oder mehr kaufmännische Vorbildungen haben, nur noch als Hilfskräfte zählen, weil sie mehr als 4 Jahre arbeitssuchend sind, dann ist mir alles klar. Wir sind die Billigarmee für die Ausbeuter, trotz guter Kenntnisse.
Ein Schelm, wer böses denkt.
Auch machen die Leute mir dort den Eindruck, als wenn sie von der Realität keinerlei Ahnung haben und genau das nachplappern, was Ihnen die Politik vorpredigt – man muss ja seinen “eigenen Hintern “im Trockenem haben, aber so geht es nicht.
Nur um uns Ältere zu Zeitarbeitsfirmen oder Instituten, wie die Dekra abzuschieben,
braucht man nicht ständig neu verpackte Auswüchse, wie Institutionen von 50 + kernig,
das gab es bisher schon zur Genüge, nur immer neu verpackt und wohlklingenden Namen.
Die Herrschaften von 50+ kernig sollten einen zumindest selber in vernünftig bezahlte
Arbeit vermitteln, sonst ist dieses Projekt sinnlos.
Von mir aus könnte man die ganze Arge inclusive ihrer “Sklaventreiber” (Fallmanager) entlassen. Das spart eine Menge Geld ein und somit könnte man den Regelsatz endlich einmal
auf einen menschenwürdigen Satz erhöhen, statt dieses unsägliche Bürokratengespenst
ins Unermessliche weiter zu finanzieren.
Arbeit gibt es eh nicht mehr, zumindest keine gerecht bezahlte und wenn die AG keine vernünftigen Löhne mehr zahlen wollen, sollen sie ihre Arbeit gefälligst selber machen.
Aber vielleicht darf man ja bald wieder zur Dekra, um im Gummiwurstkaufmannsladen
zu arbeiten, Puzzles zusammenzusetzen oder Legosteine zählen.Vielleicht auch zu sog. gemeinnützigen Firmen, wie die AWO und Co. für die man dann alte Leute pflegt, für einen Euro die Stunde und die AWO bei denen voll abrechnet.Ach ist Deutschland doch toll.
Keine vernünftige Arbeit, aber der ganze “Rattenschwanz” bereichert sich an denen, die eh schon nicht genug zum Leben haben. Ein Trauerspiel, zu was Deutschland verkommen ist – dank der Politik, der AG und den Schreibtischtätern, sprich Fallmanagern.
Ich vermisse auch entsprechende Taten der Gewerkschaften, um endlich einmal
diesen Missständen einen Riegel vorzuschieben.
Leute – wehrt Euch und nimmt keine schwachsinnigen Lehrgänge und auch keinerlei Arbeit mehr an für einen Hungerlohn.Ihr könnt Euch einen Anwalt nehmen und Prozesskostenhilfe beantragen, denn so kann’s wirklich nicht weitergehen.
Ich hoffe, dass mein Statement veröffentlicht wird, denn es entspricht den Tatsachen
und die Wahrheit gehört ans Tageslicht.
Tja, auch mich hat es “getroffen”. Bei meinem letzten ARGE-Termin habe ich ohne große Worte meines “Integrationsmanagers” das Projekt 50+ KERNIG ans Herz gelegt bekommen. Auf Nachfrage, was dort anders ist, bekam ich zur Antwort, dass er es auch nicht so genau wüsste, die hätten wohl mehr Möglichkeiten. Ich sagte, ich wäre nur an einem anständigen Arbeitsplatz unter Berücksichtigung meiner Einschränkungen interessiert und brauche mit 30 Jahren Berufserfahrung bestimmt nicht in die Arbeitswelt integriert zu werden, indem ich als erwachsener Mensch Praktika und Motivationskurse belege (übrigens: meine zahlreichen Bewerbungen, die ich bei jedem Termin vorweise, werden nicht sonderlich beachtet). Was kann ich dafür, das die Arbeitsmarktpolitik derart entartet ist, das es zu 85% nur noch Arbeitsangebote von so genannten priv. Arbeitsvermittlern und Zeitarbeitsfirmen gibt? Diese ich-AG`s sprießen ja wie Pilze im Herbst aus dem Boden. Kein Wunder, dass sich Arbeitssuchende auf die restlichen 15% normaler Jobangebote stürzen und die Chance auf einen normalen Job aufgrund der starken Nachfrage und zu vieler Bewerber sinkt.
Da ich es ablehnte, bekam ich prompt eine neue Eingliederungsvereinbarung mit dem Zusatz, ich verpflichte mich, an dem Projekt teilzunehmen. Ich nahm die EV mit nach Hause und strich genau diese Passage. Dann habe ich die EV ordnungsgemäß unterschrieben um meiner Mitwirkungspflicht nachzukommen.
Auch muss ich nicht “an die Hand” genommen und mit Sicherheit auch nicht begleitet werden. Das uns 50+`lern ja ordentlich Honig um den Bart geschmiert wird, hier 2 Beispiele:
50+ für Arbeitssuchende mit besonderen Fähigkeiten.
Den älteren Arbeitnehmern soll die Voreingenommenheit gegenüber Zeitarbeitsfirmen genommen werden, lach…..
Wie kann es nur angehen, das wirklich angenommen wird, wir glauben das und sind doof und naiv, das ist total diskriminierend und ich fühle mich total veralbert. Könnte diesen Roman noch endlos ausdehnen, aber ich merke, ich werde immer böser und das ist ja nicht so gut für mein “altes” 50-jähriges Herz, hihihihihihihi………
Ich war nun das zweite Mal bei 50 Plus Kernig und kann nur mit dem Kopf schütteln
ob der unsachlichen und unprofessionellen Arbeitsweise, die dort herrscht.
Erst einmal mußte ich feststellen, dass die Trennwände zwischen den einzelnen
Sachbearbeitern immer noch Bestand haben, so dass jeder das private Gespräch mithören kann. Privatsphäre gibt es also bei persönlichen Dingen nicht – was meiner Meinung nach unzulässig ist.
Nachdem ich vor ca. 4 Monaten das erste Mal dort war und mich bereits hier wunderte,
dass meine Personalakte nicht zugegen war, ich also meinen Werdegang mündlich schildern mußte, war es nunmehr immer noch nicht der Fall.
Obwohl mehrere Ausbildungen und Realschulabschluß, wurde ich geradezu provokant
gefragt, ob ich überhaupt etwas gelernt habe.
Ich fragte daraufhin, ob denn immer noch kein Profil erstellt sei und meine Akte noch nicht vorläge. Dies wurde zugegeben mit dem Hinweis, dass die Herrschaften dort keine Akten benötigen. Ein Profil war allerdings auch nicht erstellt.
Des Weiteren schilderte ich den Kauf eines Multifunktionsdruckers mit dem Hinweis
einer zumindest kostenanteiligen Erstattung, da ja heutzutage viele Arbeitgeber eine Onlinebewerbung mit Scannung der Zeugnisse erwarten. Ich teilte der Sachbearbeiterin mit, dass sie dadurch ja auch eine Kostenersparung erführen, denn der postalische Weg ist ja bekanntlich erheblich teurer.
Dies wurde recht schnippisch mit der Begründung abgelehnt, dass man dieses Gerät ja schließlich privat nutze. Ich zumindest nutze es fast ausschließlich für Bewerbungen.
Auch finde ich die Bewerbungskostenabrechnung völlig daneben, denn bisher war es
so, dass es pauschal 5 Euro gab, was zwar auch wenig ist, aber immer noch fairer.
Ich bin mit dieser Abrechnungsmethode bei 50 Plus Kernig absolut nicht einverstanden,
weil man nicht jede einzelne Bewerbung und jedes einzelne Blatt per Quittung nachweisen kann. Wie das so richtig funktioniert, konnte mir die Dame auch nicht konkret erklären.
Auf Grund dessen zitierte die Sachbearbeiterin ihre Vorgesetzte hinzu, die mir
doch tatsächlich weismachen wollte, dass ihre Bewerbungskostenabrechnung
sehr viel großzügiger gehandhabt werde, denn eine Bewerbung mit Lichtbild, Mappe, Zeugnissen usw. könne durchaus schon einmal 20 Euro kosten.
Schön und gut, aber: Auf meine Frage, was denn für Bewerbungen der jährlich festgelegte Satz sei, wurde mir sodann mitgeteilt: 260 Euro. Also nicht mehr, als auf der normalen Arge.
Wenn ich also, wie in der Eingliederungsvereinbarung festgelegt, 4 Bewerbungen monatlich schreibe, wäre ich bei jährlichen Kosten in Höhe von 960 Euro. Selbst, wenn pro Bewerbung nur 10 Euro veranschlagt werden, wäre es immer noch 480 Euro.
260 Euro werden aber nur erstattet.
Das belegt, dass dort die Kunden mit einer Milchmädchenrechnung über den Tisch gezogen werden.
50Plus Kernig ist also mit Förderungen nicht großzügiger, sondern eher kleinlicher, als die normalen Argen.
Ebenso, dass die Kunden ohne Anlegung eines Profils vermittelt werden sollen, erweckt in mir den Verdacht, dass auf Teufel komm raus vermittelt wird, ohne individuell auf
die einzelne Person einzugehen und das ist gelinde gesagt entwürdigend.
Auf die Frage, welche Fortbildungen oder qualifizierten Kurse es denn gäbe,
wurde mir mitgeteilt, ich habe mich selber darum zu kümmern.
Ich machte den Vorschlag, dass ich, da ich beruflich so nicht weiter käme, eine Ausbildung
als Erzieher über 3 Jahre auf einer staatlichen Schule machen wolle. Dies wurde sofort mit dem Hinweis abgetan, dass ich dann kein Hartz IV mehr bekäme, da das Höchstalter für
derartige Ausbildungen 25 Jahre sei (was nachweislich nicht korrekt ist, denn auf der Arge Neumünster hat vor ca. 3 Jahren eine ca. 40 jährige Frau eben selbige Ausbildung bekommen). Ich erwiderte daraufhin, ob es denn besser sei, wenn ich noch weitere 17 Jahre arbeitslos wäre. Es kam nur die Antwort, dass ich ja dem Arbeitsmarkt für 3 Jahre dann nicht mehr zur Verfügung stehe. Übrigens kostet die schulische Ausbildung zum Erzieher 50plus Kernig keinen Cent.
Auf Grund dieser Vorkommnisse bin ich sodann per EDV- Klick aus 50 + gekündigt worden und werde demnächst wieder zu meiner urprünglichen Arge geschickt, worüber ich nicht
traurig bin. 50 Plus Kernig hat sich als eine weitere Seifenblase entpuppt.
Das ganze Programm 50plus entspricht nicht den gesetzlichen Vorgaben wie vom Gesetzgeber vorgesehen und scheint tatsächlich nur dazu zu dienen, Gelder von der EU lockerzumachen. Ich selbst war beim oben genannten Gespräch als Beistand anwesend.
Die Mitarbeiterin in Kiel hatte ganz offensichtlich keinen blassen Schimmer davon, was der Gesetzgeber von einer Arbeitsvermittlung fordert: Nämlich bevor ich einen “Kunden” wieder in Arbeit bringen will, muss ich erst einmal über den bisherigen beruflichen Werdegang des sogenannten Kunden etwas erfahren, also erst einmal ein Profiling vom “Kunden” erstellen. Sie hätte sich hierfür nur die Akte vom Jobcenter Neumünster anfordern brauchen. Ich bekam nur zur Antwort, sie bräuchte das nicht. Ich habe schon eine ganze Menge erlebt, bei meinen Begleitungen zum Amt, aber so etwas noch nie.
Jürgen Habich
Sozialberatung Neumünster
Hinter solchen Lehrgängen steckt nichts anderes als ein ganzer Industriezweig, der sich auf Kosten der Arbeitslosen die Taschen voll stopft. Nebenbei wird die Statistik der Arbeitslosenzahlen beschönigt und die Teilnehmer werden als billige – weil ohne Bezahlung – Lückenbüßer der Industrie zugeschoben, wenn dort zeitweise ein paar Deppen gebraucht werden, mit dem Versprechen, sie könnten evt. übernommen werden. Diesen ganzen Lug und Trug bezahlt natürlich auch der Steuerzahler. Schon allein die Art und Weise, wie diese Lehrgänge abgehalten werden, Stärken- und Schwächenanalyse und so Schwachsinn. Die Leute suchen eine Arbeit, die auch anständig bezahlt wird, aber da wird nur der letzte Dreck angeboten, Hungerlöhne von 6,90 €. Für so einen Mist braucht man weder eine besagte Analyse noch aktuelle Bewerbungsunterlagen, wie einem die Veranstalter weis machen wollen. Es besteht überhaupt kein Interesse, an der Situation was zu ändern, zumal sowas nur möglich wäre, wenn die Betroffenen selber bestimmen können, was für sie wichtig wäre. Ich war lange genug arbeitslos, habe etliche Kurse machen müßen, die nichts Wert waren, und habe letztendlich selber einen Job gefunden – ohne den ganzen Scheiß von ARGE und Co.
Aus meiner anwaltlichen Beratung sind mir Fälle bekannt, in denen Mandanten ohne jedwedes Zutun des Jobcenters einen Job fanden. In großer Hektik wurden diese Mandanten ins Jobcenter beordert und sollten dort eine Eingliederungsvereinbarung unterschreiben, in der sie sich verpflichten sollten, den von ihnen selbst gefundenen (!) Job anzunehmen. Und wieder konnte sich das Jobcenter auf diese Weise einen “Vermittlungserfolg” in seiner Statistik gutschreiben.